
Gerade hat uns die Trauerwelle mal wieder erfasst. Vielleicht, weil sich Dinge jähren. Vor zwei Jahren ist ein guter Freund, Vater von drei Kindern unter 13 Jahren, viel zu jung gestorben. Er war der Patenonkel unseres jüngsten Kindes.
Ich habe gelernt, dass diese Momente der Trauer einen manchmal überkommen. So richtig weiß ich noch nicht, wie man gut durch solch eine Welle surft. Wie begleite ich die Trauer meiner Familienangehörigen, wenn ich selbst traurig bin?
Da hilft es schon mal zu wissen, dass die Welle wieder vorbeigeht.
Jedoch muss nicht erst jemand sterben, damit ein Trauerprozess in Gang gesetzt wird. Jeder Verlust muss „betrauert“ werden. Für unser Kind war und ist auch unser Umzug letztes Jahr ein großer Verlust. Das Leben wie er es bisher kannte, hat sich grundlegend verändert. Jeden Tag konnte er mit gleichaltrigen Jungs draußen spielen: auf Bäume klettern und Fußball spielen und so. Es war ein Traum!
Alles Schönreden bringt im ersten Moment nichts. Das Vermissen des Verlorenen darf sein. Gefühle, die unser Kind fühlt, dürfen sein. Und die kommen und gehen in Wellen: Mal ist da Wut, mal große Traurigkeit und das Gefühl, seinen Platz verloren zu haben. Das Leben hat sich verändert und wird nie mehr so sein wie es mal war. Das klingt dramatisch, aber man darf anerkennen, was ist. Wir sind nun mal aus einer Gemeinschaft gezogen und wohnen nun für uns als Familie allein. Prozess heißt ja auch, es gibt verschiedene Phasen und vielleicht kein so eindeutiges Ende.
In den letzten Monaten gab es Momente, wo es sich unser Kind in seinem neuen Zimmer schön gemacht hat und Freude an dem Neuen gefunden hat. Ich hab auch nicht das Gefühl, dass es ihm nur geschadet hat, dass wir umgezogen sind. Dadurch, dass nicht so viel passiert, kann er an dem Anteil nehmen, was bei uns in der Familie so los ist. Wenn mein Mann etwas baut oder im Garten macht, ist unser Jüngster jetzt oft dabei. Oder er schnappt sich die Gitarre und probiert sich auf deren Saiten aus. Früher wären andere Dinge spannender gewesen.
Wir lernen das Leben ganz neu kennen und die Trauer – it comes in waves…

P.S. Das 2025 erschienene o’bros-Album „To be honest“ hat meinen Sohn und mich auf vielen Autofahrten begleitet, besonders diese vier Lieder. Und irgendwie spiegelt die Reihenfolge, in welcher diese Lieder bei uns beliebt waren, auch eine Entwicklung wieder.
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