
Das mit dem Ringen in der Frage meines Berufs ist doch noch nicht zu Ende… Manchmal denkt man, man hat’s und darf noch mal ’ne gedankliche Runde drehen.
Ich war am Montag bei einer Beerdigung. Die Tante meiner Mutter war relativ plötzlich mit fast 90 Jahren nach einem erfüllten Leben gestorben. Ihre freundliche, an anderen Menschen interessierte Art hat mich immer beeindruckt. Mit einem Teil ihrer Enkel war ich in der Jugend gut befreundet und auch deren Familiensystem hat mich fasziniert.
Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das
der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.5. Mose 26,11
Das ist der Losungsspruch für den Monat Februar 2026. Er hatte mich in meiner momentanen Lebenssituation angesprochen und auch die Familie der Verstorbenen schien ihn als Bibelwort für die Beisetzung der siebenfachen Mutter, fünfundzwanzigfachen Großmutter und zweiundzwanzigfachen Urgroßmutter, die ihr Leben der Familie und der Gemeinde gewidmet hatte, passend zu finden. Daher fühlte ich mich hingezogen, zu dieser Beerdigung zu fahren – auch wenn ich als entfernte Verwandte nicht dazu verpflichtet war.
Stephen Covey (1932–2012), ein einflussreicher US-amerikanischer Autor, Unternehmensberater und Hochschullehrer, forderte dazu auf, ein Gedankenspiel zu spielen: Stell dir vor, du nimmst an deiner eigenen Beerdigung teil. Was würden die Leute über dich sagen? Diese Übung soll dazu dienen, sich seiner Werte klar zu werden und im Einklang mit ihnen zu leben. Schon am Anfang das Ende im Sinn haben.
Um sich besser in dieses Spiel hineinversetzen zu können, hilft es meiner Meinung nach, ab und zu bei einer Beerdigung zu sein. Ich erinnere mich gut, an die Beerdigung meiner drei zuletzt gestorbenen Großeltern und fand es beispielsweise bezeichnend, wieviel es Menschen bedeutet hatte, dass meine Oma so viele Beziehungen gepflegt und zum Geburtstag an ihre Freunde und Bekannten gedacht hatte. Bei Besuchen wirkte sie oft überfordert, gleichzeitig spürte man ihr ab, dass sie sich freute, uns Enkel zu sehen. Ihre Zuneigung drückte sie in großen Mengen an Essen, Schokolade und Geldgeschenken aus, aber eben auch in dem nie vergessenen Brief zum Geburtstag, geschrieben mit der Schreibmaschine, damit man ihn auch gut lesen konnte.
Bei Opa hingegen erinnerte man sich daran, wie fleißig er gearbeitet hatte.
Vielleicht liegt es daran, dass ich eine Frau bin und mich eher an meiner Oma orientiere, noch dazu mich ihr aufgrund einer gewissen Ähnlichkeit im Überfordertsein sehr nahe fühle. Ich wünsche mir, dass man mich später, wenn ich gestorben bin, als Mensch und nicht aufgrund meiner geleisteten Arbeit vermisst.
Von der Beisetzungsfeier am Montag ist mir auch am meisten das Rollenmodell hängen geblieben, wie es die Verstorbene gelebt hat. Sie war mit einem Mann verheiratet, bekam sieben Kinder, nahm zwischendurch noch andere Kinder auf und kümmerte sich später bei Bedarf auch kompetent um die Enkel. Gymnastik machte sie ihr Leben lang und sich in der Gemeinde einbringen auch. Sie lebte in einer Zeit, in der von Frauen nicht erwartet wurde, dass sie Arbeit und Familie in Einklang bringen, sondern, in der es ausreichte, dass eine Mutter für ihre Familie da ist, so dass in dieser Familie temporär auch Platz für Besuchskinder war, die mit am Tisch saßen und die Gemeinschaft genossen. Da wird dieser Tisch der Gnade Gottes, an dem jeder willkommen ist, Realität. Das hat mich beeindruckt und inspiriert.
Und so spannt sich der Bogen zu meinem beruflichen Ringen: Was ich beruflich leiste, ist nicht so wichtig. Ich möchte einen positiven, bleibenden Eindruck bei Menschen hinterlassen.
Randnotiz an meine Mama: Übrigens erinnern sich meine Schulfreundinnen noch heute gern an die überschwänglichen und bunten Geburtstagskaffeetafeln bei uns zuhause. Du hast das so gut gemacht!









