
Ein Gastprediger empfahl beim kurzen Gespräch und Gebet nach dem Gottesdienst ein Buch des Podcast-Hosts, dem ich ab und zu im Auto lausche: Carey Nieuwhof. Auf Englisch heißt es: „Didn’t see it coming – Overcoming the 7 Greatest Challenges That No One Expects and Everyone Experiences“.
Ich stellte fest, dass ich das Buch als Hörbuch hören konnte und hatte es schnell durchgehört. Carey liest es selbst und hat eine kurzweilige Art, seine Inhalte mithilfe von Geschichten rüberzubringen. Da es so viele hilfreiche Tipps enthält und sehr übersichtlich gestaltet ist, war es ein Leichtes, es noch einmal zu überfliegen und das Wichtigste herauszuschreiben. Hier bekommst du meine Zusammenfassung des Buches:
Carey benennt folgende 7 Herausforderungen:
- Zynismus/Pessimismus
- faule Kompromisse
- Isolation/Einsamkeit
- Bedeutungslosigkeit
- Stolz/Hochmut
- Burnout
- Leere
Zu jeder Herausforderung bietet er eine Art Gegenstrategie an.
Aus dem Kapitel über Zynismus habe ich mir mitgenommen, dass es hilft neugierig zu bleiben. Dafür sollte man Denkzeit einplanen, d.h. einfach Zeit zum Nachdenken beim Spazieren oder Tagebuch schreiben oder um ein neues Buch zu lesen. Es ist auch erstrebenswert, sich im Fragen stellen und weniger Antworten zu geben zu üben. Denn wer ist nicht gern mit jemandem zusammen, der Fragen stellt anstatt nur von sich zu erzählen? Auch träumen ist wichtig und vor Entscheidungen zu fragen: Warum? und: Warum nicht!?
Kompromisse gehen wir ein, wenn wie wir uns in der Öffentlichkeit und im Privaten geben sich sehr stark voneinander unterscheidet. Wenn wir anfangen, Fakten zu verschleiern (bei mir ist das z.B. wenn ich meine Schokoladensucht verbergen möchte, indem ich die gekaufte Schokolade verstecke und heimlich esse.) Dann kommt oft noch dazu, dass wir unsere schlechten Entscheidungen rechtfertigen anstatt sie uns einzugestehen. Klar, zeigen wir zuhause mehr von unseren schlechten Seiten, das ist normal. Aber wenn wir zuhause nur „stinkig“ und in Schule/Beruf allseits beliebt sind, ist irgendetwas faul.
Ein Gedankenspiel, das ich schon von Steven Covey („The 7 Habits of Highly Effective People„) kenne, ist, sich seine eigene Beerdigung vorzustellen und zu überlegen, was Familienangehörige und enge Freunde in einem Satz über einen sagen würden. Ich wünsche mir – und das ist das Ziel für charakterliche Weiterentwicklung – dass die Menschen, die mich am besten kennen, mich am meisten mögen. Was muss ich dafür tun, damit das so wird? Zeit in die persönliche Weiterentwicklung investieren und tun, was ich sage, sprich konsequent sein und Verantwortung übernehmen.
Isolation und Einsamkeit sind in unserer Zeit weit verbreitet. Was dagegen hilft: Zur Beichte gehen. Sich nicht nur mit Menschen umgeben, die einen sagen, was man hören möchte, sondern tiefe Beziehungen zulassen. Nicht nur von Erfolgen erzählen, sondern auch mal beichten, was man es so richtig verbockt hat. Das Thema Media Detox ist da auch essentiell. Sich mit echten Menschen umgeben und Zeiten wie gemeinsame Mahlzeiten in der Familie nicht noch durch elektronische Geräte bestimmen lassen.
Wenn wir uns auf Veränderung einlassen, geschieht Verwandlung.
Veränderungen im Leben finden auch ohne unser OK statt. Wir verändern nur etwas, wenn der Leidensdruck groß genug ist. Wenn wir uns allerdings auf Veränderung einlassen, geschieht Verwandlung. Wir sollten nicht an Methoden festhalten, sondern nach einem persönlichen Mission Statement leben. Mit jungen Leuten abhängen, gesellschaftliche Trends studieren und offen für radikale Veränderungen sein beugen der Bedeutungslosigkeit vor.
Eine weitere große Herausforderung ist Stolz. Nicht der Stolz auf etwas mühsam Erarbeitetes, sondern Hochmut, zu denken, man wäre besser als andere. Stolz zerstört, was uns wichtig ist und verhärtet unser Herz – wir vergleichen uns mit anderen, sind extrem leistungsorientiert, können Erfolge anderer nicht feiern, verdrängen begabte Leute aus unserem Leben, wollen überall mitreden.
Eigenschaften der Demütigen sind:
- Dankbarkeit
- nicht nach Status zu trachten, sondern das Geringere nehmen bzw. teilen, was man hat (Auto, Haus etc.)
- Lernbereitschaft
- Erfolg von anderen feiern
- Ehrlichkeit
Manchmal muss man auch ehrlich sein, wie es einem geht und stellt fest: Ich bin ausgebrannt – oder bekommt vom Arzt die Diagnose „Burnout„.
Was sind Anzeichen dafür, dass du ausgebrannt bist?
- weniger Leidenschaft
- gleichbleibende Emotionen (Gleichgültigkeit)
- kleine Dinge regen einen groß auf
- Menschen strengen nur noch an
- Zynismus
- nichts befriedigt mehr
- nicht mehr klar denken können
- weniger produktiv sein
- man betäubt sich (Süchte oder zu viel essen, arbeiten etc.)
- nicht mehr lachen können
- Schlaf hilft nicht mehr gegen Erschöpfung
Was kannst du dagegen tun?
- darüber reden
- Zeit mit Gott verbringen
- Freunde treffen
- Ruhe
- Ablenkung
- Selbstfürsorge
- keine großen Entscheidungen treffen
- Verluste betrauern
- Herz wieder öffnen
- in Gesundheit täglich, mindestens wöchentlich, investieren (Ernährung, Bewegung, Erholung)
Leere entsteht, wenn man alles erreicht hat und es kein „wenn… dann…“ mehr gibt. Die Lösung ist nicht „immer mehr“, sondern sich zu fragen, was man heute tun kann, um sich morgen richtig gut zu fühlen. Auch Salomo hatte alles erreicht – er war reich, weise und mächtig. Diese Erfahrung ernüchterte ihn erst einmal und dann kam er zu dem Schluss, dass es das Beste sei, das ganz normale Leben zu genießen.
Wie kann ich dem Zusammenprall mit dem Eisberg vorbeugen?
Johannes Calvin hat einmal gesagt:
Ohne Selbsterkenntnis gibt es keine Gotteserkenntnis.
Man kann das eine nicht ohne das andere erlangen.
Man sollte wissen, wie man andere beeinflusst, einen Bezug zu seinen eigenen Emotionen haben, die eigenen Schwächen, Stärken und Begrenzungen kennen.
Ich denke, jeder kommt im Leben an Grenzen – oder wie in dem Bild: stößt an einen Eisberg. Und wie immer geht es um die Reaktion darauf. Denn wenn etwas Unangenehmes, Trauriges oder Bedrohliches passiert ist, ist es passiert. Aber es wird, was du daraus machst. Also sei ehrlich zu dir, vertrau dich jemandem an, nimm Hilfe an und gib dir Zeit.




