
Dieses Jahr im Mai habe ich den Seelsorgekurs bei Ignis abgeschlossen und heute darüber nachgedacht, warum ich Seelsorge so gut finde, wunderbar passend zum Namen dieses Blogs würde ich es so formulieren:
Seelsorge oder auch Therapie bedeutet, den (schwierigen) Themen in seinem Leben und Gottes Wirken Raum zu geben, hinzusehen und das Leben bewusst zu gestalten.
Es gibt Bereiche an unserem Körper, die wir gern vernachlässigen: Füße oder Zähne beispielsweise, und wenn sich das dann mal die Podologin oder der Zahnarzt anschaut, ist es schon fast peinlich, was da aufgrund mangelnder Pflege oder Vorsorge entstanden ist.
Ähnlich verhält es sich mit Seele und Seelenhygiene: Man kann nur in großen Lebenskrisen zum Psychologen gehen, wenn die Not groß ist, oder man geht regelmäßig zu einem Seelsorger oder geistlichen Begleiter, um sein Herz zu erleichtern, um gewissermaßen Beichte abzulegen und vorzusorgen. Beichten im Sinne von Bekennen und an Gott abgegeben. (Bitte nicht in Scham versinken, sondern gleich sich selbst vergeben.)
Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.
1 Johannes 1,9
Das Bekennen und darüber reden, wie es wirklich in einem aussieht, kann man übrigens auch gut in einer Zweierschaft, bei der man sich regelmäßig mit jemandem trifft, um für einander zu beten oder in einer Kleingruppe/Hauskreis der Gemeinde.
In einer christlichen Seelsorgesitzung geht es dann auch darum, Gott einzuladen, in die spezifische Situation zu sprechen. Meist gibt es einen Zusammenhang zwischen unseren Problemen und unserer Gottesbeziehung.
Der Berater oder Psychotherapeut schaut auch noch andere Aspekte an und hilft mit praktischen Methoden, z.B. mit Stuhldialogen.

In den letzten Jahren hatte ich besonders viel zu verarbeiten und befinde mich immer noch in einer Übergangsphase, in der Mitte des Lebens. Mich interessierte es, mehr zum Thema Seelsorge zu erfahren und so meldete ich mich 2024 zum Seelsorgekurs in Halle an.
Ich genoss es, in einer Art Klassenraum mit ebenso Interessierten zu sitzen und zu lernen. Ein wenig wehmütig waren zwei andere Teilnehmerinnen und ich, dass wir nicht Psychologie studiert hatten, sondern Theologie, Sozialpädagogik und Übersetzungswissenschaften. Um so mehr genossen wir es, das im Rahmen dieses aus acht Wochenenden bestehenden Kurses ein wenig nachholen zu können.
Es war eine angenehme Lerngemeinschaft aus ca. 20 Erwachsenen. Manche besuchten wie ich den Kurs nur für sich selbst, andere aus beruflichen Gründen, weil sie in der Familienhilfe, im Krankenhaus oder der Gemeinde mit Seelsorge zu tun haben. Hier ein Ausschnitt der behandelten Themen:
- Ziele und Perspektiven von Seelsorge, Unterscheidungen zu Beratung und Therapie
- Gebet, Kommunikation und Fragetechniken
- Vergebungsprozesse
- Verletzende Erfahrungen
- Sucht
- Chancen und Grenzen der seelsorgerlichen Begleitung von Menschen mit psychischen Erkrankungen
- Ein gesunder Umgang mit den eigenen Ressourcen
- Identität und Berufung
Jedes Wochenende lernten wir einen anderen Referenten kennen – alles interessante Menschen mit viel praktischer und Lebenserfahrung. Den Ignis-Seelsorgekurs kann ich wärmstens empfehlen.
Ein anderer Aspekt an Seelsorge ist das Verarbeiten und einen Platz für das Erlebte zu finden, es einzusortieren und weiterzuziehen, es ins Leben zu integrieren. Dieses Stichwort fällt bei Therapeuten öfter und trifft es richtig gut. Es geht bei der Verarbeitung traumatischer Erfahrungen am Ende um die Frage: Wie lebe ich weiter?
Dafür muss man näher hinschauen und sich dem Schmerz stellen. Es heißt nicht, dass es am Ende dieses Prozesses nicht mehr weh tut, aber dass man Frieden mit sich und seiner Vergangenheit schließt.
Dazu gehört ebenso zu erkennen, dass man sich ggf. selbst weiteren Schmerz zugefügt hat, weil man so auf das Schmerzhafte reagiert hat, wie man reagiert hat und dadurch weitere Probleme entstanden sind, an deren Konsequenzen man selbst oder die Menschen um einen herum leiden usw. Dies gilt es, sich selbst zu vergeben. (Siehe oben: Nicht in Scham versinken!)
Seelsorge hat oft mit Vergebung zu tun: Denjenigen vergeben, die an uns schuldig geworden sind, sich selbst vergeben und vor Gott um Vergebung bitten, wo wir schuldig geworden sind.
Dass das ein Prozess ist hatte ich schon gesagt, oder?
Um auf das Bild vom Anfang zurückzukommen: Die Zähne oder auch die Füße müssen immer wieder gepflegt werden. Daher finde ich das Wort Seelenhygiene auch so gut, weil es dieses regelmäßige sich um seine Seele (anderes Wort: das Herz) kümmern ausdrückt. Hier ist das noch einmal in einem meiner Lieblingsbibelverse ausgedrückt:
Mehr als alles behüte dein Herz, denn von ihm geht das Leben aus.
Sprüche 4,23