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Zwischen Alltag und Ewigkeit

Schlagwort: Frieden

  • Genieße, was du hast – über persönliche und berufliche Weiterentwicklung und den Test „16 personalities“

    Genieße, was du hast – über persönliche und berufliche Weiterentwicklung und den Test „16 personalities“

    Etwas, das mich seit letztem Jahr immer wieder beschäftigt, ist das Überdenken meines gewählten Berufes (der Übersetzerin).

    Durch KI verändert sich die Übersetzungsbranche. Irgendwann werde ich als Übersetzerin überflüssig – oder positiver formuliert: Ich werde die von der Maschine übersetzten Texte korrigieren und nachbearbeiten und damit zur Korrekturleserin. Auf Neudeutsch nennt sich diese Arbeit Postediting. Da Korrekturlesen bereits zu meinem Portfolio gehört, passt das für mich. Solange Übersetzungen mit bestätigter Richtigkeit durch eine bei Gericht vereidigte Übersetzerin verlangt werden, habe ich als Urkundenübersetzerin noch einen Job.

    Ein weiterer Grund für meine beruflichen Zweifel ist die geringe Vergütung. Man kann kaum vom Übersetzen leben. Viele meiner Kollegen haben entweder einen Zweitjob oder sind – wie ich – in ihrer Familie nur Zuverdiener. Wenn ich anfange, mich mit meinem Mann zu vergleichen, fühlt sich das richtig dumm an (wobei ja Vergleichen an sich dumm ist). Wenn ich darüber nachdenke, mich beruflich zu verändern, fallen mir nur Jobs wie psychologischer Berater oder Gemeindesekretärin ein, was meist auch nicht viel Geld bringt.

    Durch Carey Nieuwhofs „Didn’t see it coming“ wurde ich daran erinnert, dass es gar nicht darum geht, immer mehr zu verdienen, auch nicht noch mehr zu wissen oder unendlich viel Spaß zu haben (das hat König Salomo alles ausprobiert und sein Resümee steht im Buch der Prediger), sondern das wertzuschätzen, was Gott einem gegeben hat – an Talenten oder auch finanziellen Möglichkeiten. Denn letztlich kommt alles von ihm und die Dinge an sich bringen uns keine Erfüllung. Dieser einfach Gedanke stoppte mich regelrecht in meinem Streben nach „immer mehr“ und der brachte mich innerlich zur Ruhe. Ich muss mich nicht mehr ständig fragen: Übe ich noch den richtigen Beruf aus oder sollte ich mich schon längst beruflich umorientieren?

    Außerdem half mir die Test-Auswertung eines Persönlichkeitstests: 16 personalities. Da kommt bei mir raus, dass ich nicht veranlagt bin, einen Job wegen des Geldes zu machen, sondern um Leuten zu helfen, sich weiterzuentwickeln. Ich realisierte, dass ich das ja mit Urkundenübersetzungen mache und noch tiefgehender inspiriere ich Menschen, wenn ich christliche Sachbücher übersetze.

    Ich bin wieder neu dankbar für die Anfragen und Aufträge, die ich momentan habe und habe nach monatelangem Ringen Frieden über meiner Job-Situation gefunden.

    9 Was also hat der Mensch davon, dass er sich abmüht? 10 Ich habe mir die Arbeit angesehen, die Gott den Menschen gegeben hat, damit sie sich damit plagen. 11 Gott hat allem auf dieser Welt schon im Voraus seine Zeit bestimmt, er hat sogar die Ewigkeit in die Herzen der Menschen gelegt. Aber sie sind nicht in der Lage, das Ausmaß des Wirkens Gottes zu erkennen; sie durchschauen weder, wo es beginnt, noch, wo es endet. 12 Dadurch wurde mir klar, dass es das Beste für den Menschen ist, sich zu freuen und das zu genießen, was er hat. 13 Denn es ist ein Geschenk Gottes, wenn jemand isst und trinkt und sich über die Früchte seiner Arbeit freuen kann. 14 Mir ist auch klar geworden, dass alles, was Gott tut, endgültig ist: Nichts kann hinzugefügt und nichts kann weggenommen werden. Gott handelt so, damit die Menschen Ehrfurcht vor ihm haben.

    Prediger 3,9-14

  • Seelenhygiene: vorsorgen, verarbeiten & vergeben (über den Ignis-Seelsorgekurs)

    Seelenhygiene: vorsorgen, verarbeiten & vergeben (über den Ignis-Seelsorgekurs)

    Seelsorge

    Dieses Jahr im Mai habe ich den Seelsorgekurs bei Ignis abgeschlossen und heute darüber nachgedacht, warum ich Seelsorge so gut finde, wunderbar passend zum Namen dieses Blogs würde ich es so formulieren:

    Seelsorge oder auch Therapie bedeutet, den (schwierigen) Themen in seinem Leben und Gottes Wirken Raum zu geben, hinzusehen und das Leben bewusst zu gestalten.

    Es gibt Bereiche an unserem Körper, die wir gern vernachlässigen: Füße oder Zähne beispielsweise, und wenn sich das dann mal die Podologin oder der Zahnarzt anschaut, ist es schon fast peinlich, was da aufgrund mangelnder Pflege oder Vorsorge entstanden ist.

    Ähnlich verhält es sich mit Seele und Seelenhygiene: Man kann nur in großen Lebenskrisen zum Psychologen gehen, wenn die Not groß ist, oder man geht regelmäßig zu einem Seelsorger oder geistlichen Begleiter, um sein Herz zu erleichtern, um gewissermaßen Beichte abzulegen und vorzusorgen. Beichten im Sinne von Bekennen und an Gott abgegeben. (Bitte nicht in Scham versinken, sondern gleich sich selbst vergeben.)

    Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.

    1 Johannes 1,9

    Das Bekennen und darüber reden, wie es wirklich in einem aussieht, kann man übrigens auch gut in einer Zweierschaft, bei der man sich regelmäßig mit jemandem trifft, um für einander zu beten oder in einer Kleingruppe/Hauskreis der Gemeinde.

    In einer christlichen Seelsorgesitzung geht es dann auch darum, Gott einzuladen, in die spezifische Situation zu sprechen. Meist gibt es einen Zusammenhang zwischen unseren Problemen und unserer Gottesbeziehung.

    Der Berater oder Psychotherapeut schaut auch noch andere Aspekte an und hilft mit praktischen Methoden, z.B. mit Stuhldialogen.

    In den letzten Jahren hatte ich besonders viel zu verarbeiten und befinde mich immer noch in einer Übergangsphase, in der Mitte des Lebens. Mich interessierte es, mehr zum Thema Seelsorge zu erfahren und so meldete ich mich 2024 zum Seelsorgekurs in Halle an.

    Ich genoss es, in einer Art Klassenraum mit ebenso Interessierten zu sitzen und zu lernen. Ein wenig wehmütig waren zwei andere Teilnehmerinnen und ich, dass wir nicht Psychologie studiert hatten, sondern Theologie, Sozialpädagogik und Übersetzungswissenschaften. Um so mehr genossen wir es, das im Rahmen dieses aus acht Wochenenden bestehenden Kurses ein wenig nachholen zu können.

    Es war eine angenehme Lerngemeinschaft aus ca. 20 Erwachsenen. Manche besuchten wie ich den Kurs nur für sich selbst, andere aus beruflichen Gründen, weil sie in der Familienhilfe, im Krankenhaus oder der Gemeinde mit Seelsorge zu tun haben. Hier ein Ausschnitt der behandelten Themen:

    • Ziele und Perspektiven von Seelsorge, Unterscheidungen zu Beratung und Therapie
    • Gebet, Kommunikation und Fragetechniken
    • Vergebungsprozesse
    • Verletzende Erfahrungen
    • Sucht
    • Chancen und Grenzen der seelsorgerlichen Begleitung von Menschen mit psychischen Erkrankungen
    • Ein gesunder Umgang mit den eigenen Ressourcen
    • Identität und Berufung

    Jedes Wochenende lernten wir einen anderen Referenten kennen – alles interessante Menschen mit viel praktischer und Lebenserfahrung. Den Ignis-Seelsorgekurs kann ich wärmstens empfehlen.

    Ein anderer Aspekt an Seelsorge ist das Verarbeiten und einen Platz für das Erlebte zu finden, es einzusortieren und weiterzuziehen, es ins Leben zu integrieren. Dieses Stichwort fällt bei Therapeuten öfter und trifft es richtig gut. Es geht bei der Verarbeitung traumatischer Erfahrungen am Ende um die Frage: Wie lebe ich weiter?

    Dafür muss man näher hinschauen und sich dem Schmerz stellen. Es heißt nicht, dass es am Ende dieses Prozesses nicht mehr weh tut, aber dass man Frieden mit sich und seiner Vergangenheit schließt.

    Dazu gehört ebenso zu erkennen, dass man sich ggf. selbst weiteren Schmerz zugefügt hat, weil man so auf das Schmerzhafte reagiert hat, wie man reagiert hat und dadurch weitere Probleme entstanden sind, an deren Konsequenzen man selbst oder die Menschen um einen herum leiden usw. Dies gilt es, sich selbst zu vergeben. (Siehe oben: Nicht in Scham versinken!)

    Seelsorge hat oft mit Vergebung zu tun: Denjenigen vergeben, die an uns schuldig geworden sind, sich selbst vergeben und vor Gott um Vergebung bitten, wo wir schuldig geworden sind.

    Dass das ein Prozess ist hatte ich schon gesagt, oder?

    Um auf das Bild vom Anfang zurückzukommen: Die Zähne oder auch die Füße müssen immer wieder gepflegt werden. Daher finde ich das Wort Seelenhygiene auch so gut, weil es dieses regelmäßige sich um seine Seele (anderes Wort: das Herz) kümmern ausdrückt. Hier ist das noch einmal in einem meiner Lieblingsbibelverse ausgedrückt:

    Mehr als alles behüte dein Herz, denn von ihm geht das Leben aus.

    Sprüche 4,23