
Etwas, das mich seit letztem Jahr immer wieder beschäftigt, ist das Überdenken meines gewählten Berufes (der Übersetzerin).
Durch KI verändert sich die Übersetzungsbranche. Irgendwann werde ich als Übersetzerin überflüssig – oder positiver formuliert: Ich werde die von der Maschine übersetzten Texte korrigieren und nachbearbeiten und damit zur Korrekturleserin. Auf Neudeutsch nennt sich diese Arbeit Postediting. Da Korrekturlesen bereits zu meinem Portfolio gehört, passt das für mich. Solange Übersetzungen mit bestätigter Richtigkeit durch eine bei Gericht vereidigte Übersetzerin verlangt werden, habe ich als Urkundenübersetzerin noch einen Job.
Ein weiterer Grund für meine beruflichen Zweifel ist die geringe Vergütung. Man kann kaum vom Übersetzen leben. Viele meiner Kollegen haben entweder einen Zweitjob oder sind – wie ich – in ihrer Familie nur Zuverdiener. Wenn ich anfange, mich mit meinem Mann zu vergleichen, fühlt sich das richtig dumm an (wobei ja Vergleichen an sich dumm ist). Wenn ich darüber nachdenke, mich beruflich zu verändern, fallen mir nur Jobs wie psychologischer Berater oder Gemeindesekretärin ein, was meist auch nicht viel Geld bringt.
Durch Carey Nieuwhofs „Didn’t see it coming“ wurde ich daran erinnert, dass es gar nicht darum geht, immer mehr zu verdienen, auch nicht noch mehr zu wissen oder unendlich viel Spaß zu haben (das hat König Salomo alles ausprobiert und sein Resümee steht im Buch der Prediger), sondern das wertzuschätzen, was Gott einem gegeben hat – an Talenten oder auch finanziellen Möglichkeiten. Denn letztlich kommt alles von ihm und die Dinge an sich bringen uns keine Erfüllung. Dieser einfach Gedanke stoppte mich regelrecht in meinem Streben nach „immer mehr“ und der brachte mich innerlich zur Ruhe. Ich muss mich nicht mehr ständig fragen: Übe ich noch den richtigen Beruf aus oder sollte ich mich schon längst beruflich umorientieren?
Außerdem half mir die Test-Auswertung eines Persönlichkeitstests: 16 personalities. Da kommt bei mir raus, dass ich nicht veranlagt bin, einen Job wegen des Geldes zu machen, sondern um Leuten zu helfen, sich weiterzuentwickeln. Ich realisierte, dass ich das ja mit Urkundenübersetzungen mache und noch tiefgehender inspiriere ich Menschen, wenn ich christliche Sachbücher übersetze.
Ich bin wieder neu dankbar für die Anfragen und Aufträge, die ich momentan habe und habe nach monatelangem Ringen Frieden über meiner Job-Situation gefunden.
9 Was also hat der Mensch davon, dass er sich abmüht? 10 Ich habe mir die Arbeit angesehen, die Gott den Menschen gegeben hat, damit sie sich damit plagen. 11 Gott hat allem auf dieser Welt schon im Voraus seine Zeit bestimmt, er hat sogar die Ewigkeit in die Herzen der Menschen gelegt. Aber sie sind nicht in der Lage, das Ausmaß des Wirkens Gottes zu erkennen; sie durchschauen weder, wo es beginnt, noch, wo es endet. 12 Dadurch wurde mir klar, dass es das Beste für den Menschen ist, sich zu freuen und das zu genießen, was er hat. 13 Denn es ist ein Geschenk Gottes, wenn jemand isst und trinkt und sich über die Früchte seiner Arbeit freuen kann. 14 Mir ist auch klar geworden, dass alles, was Gott tut, endgültig ist: Nichts kann hinzugefügt und nichts kann weggenommen werden. Gott handelt so, damit die Menschen Ehrfurcht vor ihm haben.
Prediger 3,9-14


