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Zwischen Alltag und Ewigkeit

Kategorie: Blog

Ich erzähle/berichte von Erlebtem.

  • Über das Schreiben

    Über das Schreiben

    Seit ich schreiben konnte, sah man mich nachmittags am SCHREIB-Tisch schreiben: eigene Geschichten oder Berichte, Tagebucheinträge, Briefe – nur Lieder schrieb ich auf einem Zettel auf den Knien, neben der Gitarre oder dem Klavier.

    In der Grundschule mussten wir ein Erlebnis schildern und ich beschrieb, wie wir unser Meerschwein Mucki, das vielmehr meiner Schwester gehörte, beerdigten. Es gab eine richtige Beerdigungszeremonie. Da sowieso gerade ein paar Freunde zu Besuch waren, reihten sie sich in den Trauerzug ein. Meine Mutter vorneweg mit der Gitarre. Ich denke, dass sich dieses Erlebnis nicht nur aufgrund seiner Emotionalität, sondern auch weil ich es mit Worten festgehalten habe, tief eingeprägt hat.

    Somit lernte ich frühzeitig, meinem tiefen Empfinden und Erleben, auf dem Papier Raum zu geben.

    Nach einem für mich anstrengenden Schultag im Gymnasium – mit vielen Menschen und Anforderungen – hat es mich irgendwie beruhigt und mir Sicherheit gegeben, das Gelernte oder zu Lernende aufzuschreiben. Also schrieb ich wieder stundenlang. Auch in mein Tagebuch – und zwar 7 Jahre lang jeden Tag. Bis es mir irgendwann mit 18 zu zwanghaft wurde und ich mich entschied, nur noch ab und zu Tagebuch zu schreiben.

    Mit dem Einzug eines PCs in unseren Familienhaushalt fand man mich nun auch an diesem speziellen Computertisch: Texte in Word und E-Mails schreiben.

    Auf andere zuzugehen fiel mir als Teenager nicht so leicht, aber eine Annonce in der TeensMag aufgeben, auf der Suche nach Brieffreunden, das traute ich mich. Ich bekam daraufhin einige Zuschriften und hatte zeitweise um die 15 regelmäßige Brieffreunde (die ich noch nie getroffen hatte). Später in meinen Zwanzigern schrieb ich meine Gedanken und Fragen zum Leben in Briefen und E-Mails an meine meist etwas älteren Freunde nieder. So gingen die Briefe oder E-Mails hin und her und eine tiefe Verbundenheit des Miteinander-auf-dem-Weg-Seins entstand.

    Auf dem Papier kann man außerdem so schön kreativ sein: radieren, löschen, wieder neu anfangen. Das Papier zusammenknüllen oder durch Anbrennen der Ränder einem Brief einen antiken Look verleihen.

    In meiner 90er-Jahre-Kindheit beschriftete ich meine Mixtapes oder hörte die Liedtexte meiner Lieblingslieder ab und schrieb sie auf.

    Schöne Schriftarten ausprobieren gefiel mir als Kind und ich griff es 20 Jahre später mit Handlettering in der Corona-Zeit 2021 wieder auf ich. Ich malte Bibelverse an die Tafel in unserer Küche, die mir halfen, den Kopf nicht hängen zu lassen.

    Als wir uns 2023 als Familie zum Kriegsbeginn in Israel befanden, schrieb mein jüngster Sohn Bibelverse zum Trost in sein kleines Reisetagebuch im Hosentaschenformat. Wir hatten solche Angst und wollten einfach nur zurück nach Hause. Gottes in der Bibel aufgeschriebenen Worte gaben uns Halt und Hoffnung.

    Als junge Familie führten mein Mann und ich einen Blog, in dem wir unsere Familie und Freunde an unserem Leben als Familie teilhaben ließen. Wir nannten den Blog Familienrock. In gewisser Weise führe ich das auf diesem Blog weiter (wie im 1. Artikel hier beschrieben).

    Gerade schreibe ich, weil ich nicht schlafen kann. Mir schwirrte noch der Kopf von dem vollen Tag. Das Schreiben bringt mich runter und macht müde… In diesem Sinne: Gute Nacht 😉

    Meine Leseempfehlung zum Thema Schreiben:

    Doris Dörrie: Leben, schreiben, atmen

    Das Buch ist ein kurzweiliges Sachbuch, das einen immer wieder vergessen lässt, dass man keine Biografie liest und einem wertvolle Impulse zum eigenen Losschreiben gibt.

    Werde kreativ! von Jordan Raynor ist ein weiteres Buch, das ich sehr empfehlen kann. Nicht nur, weil ich es selbst übersetzt habe 😉 – was auch mit Schreiben zu tun hat, dem schriftlichen Wiedergeben der Gedanken und Worte eines anderen – sondern weil es um den Ursprung und Sinn unserer Kreativität geht, die sich u.a. ja auch im Schreiben ausdrückt. In dem Buch werden die Entstehungsgeschichten verschiedener Unternehmen erzählt, darunter auch die Geschichte von Krystal Whitten, die ihr Jugend-Hobby Handlettering zum Beruf gemacht hat (The Lettering Prayer Journal).

  • Einfach hochsensibel

    Einfach hochsensibel

    Gerade komme ich von einem Wochenende mit meinem Hauskreis. Wir vier Ehepaare treffen uns jede Woche zum persönlichen und theologischen Gespräch bei leckeren Snacks und zum gemeinsamen Gebet. Da unsere Kinder im gleichen Alter sind, kam der Gedanke auf, mal zusammen wegzufahren, d.h. wir waren eine Gruppe von 19 Personen.

    Jede Familie hatte eine Blockhütte, gegessen wurde draußen an einer langen Tafel. Viel Programm gab es nicht – das ergab sich auf dem großzügigen Gelände von selbst. Für die Kinder und Teens gab es genügend zu tun: Seilbahn, Quad fahren, Federball, Fußball, Wasserball spielen, Frösche und Schlagen im Teich beobachten, abends Marshmallows & Stockbrot am Lagerfeuer grillen. Das Wetter war fantastisch und so wurde es zu einem idyllischen Wochenende.

    Ich nahm mir immer wieder die Freiheit, mich in mein Zimmer zurückzuziehen oder allein in der Küche etwas fürs gemeinsame Essen vorzubereiten und bekam so die Ruhepausen, die ich im sommerlichen Gemeinschaftstrubel brauche. Denn seit ein paar Jahren weiß ich, wie sich „das“ nennt, was ich habe: Ich bin hochsensibel.

    Gleich vorweg: Das bedeutet nicht, dass ich mich anderen Menschen gegenüber besonders sensibel verhalte. Mein Verhalten ist manchmal alles andere: Grummelig, schroff, abweisend – und zwar dann, wenn ich überreizt bin. Und das passiert bei mir schneller als bei „normalen“ Menschen. Ich lerne, auf mich zu achten, mir Pausen zu nehmen, wenn mein Kopf „heiß läuft“. Genauso kann es sich anfühlen, wenn ich diesen Überreiztheitszustand erreiche – wie eine Art Kopfschmerz.

    Als ich Mutter von kleinen Kindern war, war mein Dilemma, dass es oft nicht möglich war, sich zurückzuziehen. Heute habe ich drei Schulkinder und kann mir meine Zeit als freiberufliche Übersetzerin selbst einteilen. Ich genieße es, mir ab und zu vormittags Zeit für mich zu nehmen. Mich innerlich und äußerlich (durch Aufräumen unserer Wohnung) zu sortieren. Beim innerlichen Sortieren hilft mir das Tagebuchschreiben oder das Organisieren von Aufgaben in verschiedenen Listen.

    Ca. 15-20% aller Menschen gelten als hochsensibel. Hochsensible Menschen nehmen Geräusche, Gerüche, Situationen sehr intensiv wahr. Sie reagieren stark auf zwischenmenschliche Ereignisse und zeigen eine hohe Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und mit ihnen mitzufühlen.

    Ich habe mich schon als Kind „anders“ gefühlt und in der Belastungssituation als Mutter von zwei Kleinkindern dachte ich, ich wäre psychisch krank. Da half es mir, das Konzept der Hochsensibilität kennenzulernen und zu erfahren, dass es einfach ein Persönlichkeitsmerkmal ist, keine Krankheit, und dass ich nicht die Einzige bin.

    Hochsensiblen wie mir fehlen gewissermaßen die Filter. Es kostet sie viel Energie, sich z.B. auf ein Gespräch zu konzentrieren, wenn um sie herum viel los ist. Sie sind durch zu viele Eindrücke schnell überwältigt und körperlich erschöpft.

    Obwohl ich weiß, dass ich Pausen brauche, spüre ich bis heute ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich so wie am letzten Wochenende zurückziehe. Was gut tut zu wissen: Von den acht Erwachsenen in unserer Gruppe sind die Hälfte hochsensibel und kennen die Problematik. Wir haben bereits einen ganzen Abend darüber gesprochen und auch die Partner haben mitgeteilt, wie es ihnen mit der Hochsensibilität ihrer Ehepartner geht. Es kann die Angehörigen nerven. Doch das Wissen um die Besonderheit hilft. Und man hat sich ja zu dem hochsensiblen Partner hingezogen gefühlt. Da er nicht nur besonders empfindlich, sondern wahrscheinlich auch vielseitig interessiert ist sowie eine tiefgehende Analysefähigkeit und einen Blick fürs Detail besitzt.

    Ich denke, dass mir die Hochsensibilität in meinem Beruf als Übersetzerin zugute kommt. Auf meine Kunden aus unterschiedlichen Ländern kann ich mich gut individuell einstellen. Beim Literaturübersetzen kann ich mich in die andere Kultur des Ausgangstextes einfühlen und zwischen den Zeilen lesen.

    Wenn ich in Teams gearbeitet habe, gelang es mir gut, die verschiedenen Positionen zu verstehen und mit einzubeziehen und z.B. die einzelnen Personen und ihre Bedürfnisse bei der Aufgabenverteilung und Terminplanung im Blick zu behalten.

    Als Mutter ist es auch hilfreich, die Bedürfnisse der Kinder nachvollziehen zu können und entsprechend zu reagieren. In dieser Rolle nehme ich allerdings zu viel Rücksicht oder ich spüre die verschiedene Bedürfnisse in der Familie, versuche allen gerecht zu werden und bin dann frustriert, wenn dies nicht gelingt (weil das schlicht und einfach nicht immer funktioniert).

    Ich bin immer noch am Lernen, gut mit meiner Hochsensibilität umzugehen, d.h. gut für mich zu sorgen und zu meinen Grenzen zu stehen, aber auch meine Stärken in die Welt zu bringen.

    Was sind deine Gedanken zu Hochsensibilität?

    P.S. Hier kann man übrigens einen Test machen, ob man hochsensibel ist.